Eine liebe Freundin von mir hat ein paar alte Kartons voll mit Stoff-Erbstücken. Ich glaube ja, dieser Karton ist magisch – jedenfalls holt sie seit gefühlt Jahren immer und immer wieder besondere Schätze aus eben diesem.

Webpelze, die so echt und teuer aussehen, dass man sie nicht anzuschneiden traut, Seidenstoffe in den hübschesten Regenbogenfarben, Spitze und Pailiettenstoffe von schönster Qualität. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass sie da nur ein paar Kartons im Keller hat – es muss eine Schatzkammer sein, wie der Drachenhort im Nibelungenlied – oder bei Aladin und den 40 Räubern. Meine liebe Freundin hat damit nur ein Problem – sie mag es schlicht, nicht zu bunt und nicht unbedingt pelzig, spitzig oder glitzernd. Aber dafür hat sie ja mich – die Elster. Die genau bei diesen Sachen nicht „Nein“ sagen kann. Und so kam ich in den Besitz dieses rosafarbenen Bouclés.

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Stoff und Schnitt haben sich gefunden.

Die Farbe war perfekt und es waren unglaubliche 3,5 Meter davon vorhanden – soviel Stoff kaufe ich selten am Stück für mich. Trotzdem lag diese Schönheit den ganzen Winter über in meinem Stoffschrank und wartete auf ihre Bestimmung.

Im Januar dann fasste ich den Vorsatz Stoff abzubauen – und die 3,5 Meter voluminösen Bouclés sollten mit als erstes weichen.Bei dieser Art von Material denke ich ja immer an Chanel Jäckchen und Kostüme, Jackie Kennedy und die 60er Jahre. Sowas in der Art wollte ich haben! Nur nicht ganz so klassisch und vor allem aufwendig.In der Burda Easy HW 2106/17  fand ich dann einen coolen Minirock mit Bindegürtel und eine kurze Kastenjacke mit überschnittenen Schultern. Lässige Schnitte, die – so dachte ich – mit dem klassischen Stoff eine coole Kombi abgeben. Schon das Zuschneiden war pure Freude. Ich hatte ja so viel Stoff, dass ich nicht knobeln und tricksen musste.

Und vernähen ließ sich der Bouclé auch noch super. Nicht, wie man das sonst von dem Material kennt. Es verzog sich oder dehnte sich nichts.Während dem Nähen sah ich mich vor meinem geistigen Auge schon in meiner coolen Kombi morgens zur Arbeit schlendern – bis plötzlich jemand hinter mir fragte: „Sag mal Mama, warum nähst du da ein einen Waschlappen?“

Ähm ja, das war es dann erst Mal mit dem Nähflow! Etwas unsicher beendete ich zumindest den Rock, zog ihn meiner Schneiderpuppe an und überlegte eine Zeitlang, ob die Stimme aus dem Off vielleicht Recht hatte. So ganz sicher war ich mir nicht, also zog ich den Rock an und zeigte ihn meinem Mann – der mit seiner Meinung zu meinem Style nie hinter dem Berg hält. Seine Antwort auf die Frage: „Schau mal, wie findest du meinen neuen Rock?“ war, „Sieht aus, als hättest du einen halben Bademantel an!“

Baderock
Der Bademantelrock – mit rosa Gürtel

Ohhhh, das wollte ich ehrlich gesagt nicht hören. Der Rock kam wieder an die Puppe – und ich nähte erst Mal die Jacke fertig. Ganz in Ruhe – aber nicht mehr sehr euphorisch.

Doch dann fiel mir eine Lösung für den Rock ein. Den Bindegürtel hatte ich ebenfalls aus dem Bouclé gemacht und der war ganz schön dick – und sah wirklich ein bisschen nach Frottee aus. Aber zum Glück war es kein Problem, das zu ändern und einen aus schwarzem Kunstleder zu nähen. Die eigentlich verschlusslose Jacke bekam noch einen Knebelknopf. So konnte ich das schwarze Element vom Rock auch in der Jacke aufnehmen.

Ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden mit dem fertigen Outfit. Es wäre vielleicht noch ein bisschen cooler, wenn ich ein paar Zentimeter größer wäre – bzw. ich die Jacke vielleicht noch etwas kürzer gemacht hätte. Denn so wie es jetzt ist, hängt die Jacke genau über dem Rockgürtel und bollert an der Stelle etwas. Dafür kann ich die Jacke jetzt auch als Frühjahrsjäckchen zu Jeans tragen, mit großer Sonnenbrille und mich wie Jackie O. fühlen (die Bilder dazu müsst ihr euch leider vorstellen). Und hiermit nehme ich zum ersten Mal bei RUMS teil.

Und was noch viel besser ist: mit meiner Kombi kann an Selmins Aktion 12 Colours of Handmade Fashion teilnehmen. Der März bei Tweed & Greet ist nämlich rosa!

HeaderStoffschätze

Rock2

I like!

Liebste Grüße

Steffi

Ein Gedanke zu “Von Stoffschätzen und rosa Lappen

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